Magosto und La Castanyada

Spanische Tradition im Herbst

In der Hauptrolle: Die Kastanie und das Feuer

Ehrlich gesagt ist man als Nicht-Spanier und Nicht-Historiker etwas überfordert damit, Licht in das Dunkel der Novemberfeierlichkeiten in Nordspanien zu bringen. Das Fest heißt nicht nur in jeder Region anders, es wird auch unterschiedlich begangen und aus unterschiedlichen Gründen gefeiert. In einem Interview mit meinen spanischen Arbeitskolleginnen habe ich versucht mehr über die Bedeutung der Kastanien zu verstehen. Glücklicherweise kommen Ciara, Ines und Sara aus Nordspanien und waren eine große Hilfe. Wikipedia sagt Magosto wird in Galicien während der ersten 11 Tage im November gefeiert. Von Allerheiligen (Dia de Todos Los Santos) bis zum Martinstag ( San Martin). Es gibt geröstete Kastanien, neuen Wein, Chorizo und Feuer während der Festtage. Diese Form Magosto zu feiern ist laut Ines und Sara heute nur noch auf den kleineren Dörfern zu finden (die beiden kommen aus Galicien und erhalten deshalb einen Expertenstatus). Dort wird das Fest wie mancherorts in Europa als Erntedankfest und Schlachtfest mit heidnischen Wurzeln gefeiert. Es findet zur Zeit der Schweineschlachtung statt. Junge Menschen sammeln sich außerhalb des Dorfes um Lagerfeuer und feiern später auf einem gemeinsamen Platz. In den Straßen gibt es Essensstände. Ursprünglich wurden nur Maronen gegessen, um sich an die Zeiten vor der amerikanischen Kolonisierung zu erinnern.

Bevor aus Amerika Kartoffeln und Mais als Beilagen nach Spanien kamen, zählten Esskastanien während der Herbstzeit zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln in Nordspanien. Heute wird aber auch das Fleisch der frisch geschlachteten Schweine am Feuer gegrillt. Daran erkennt man den Erntedank-Charakter des Festes. Ines und Sara kommen aus der Stadt (A Coruña und Vigo). Sie erinnern sich gern daran, dass es in der Schule irgendwann in der ersten Hälfte im November ein Schulfest gab. Man hat ein Feuer gemacht und Kastanien geröstet. Die Schulkinder haben kleine Theaterstücke oder Lieder für diesen Tag einstudiert und diese dann aufgeführt. Sara würde Magosto am ehesten mit Thanksgiving bzw. Erntedank, vergleichen.

Magosto in Galicien – La Castanyada in Katalonien

Ciara kommt aus Barcelona. Dort wird La Castanyada gefeiert. Magosto und Castanyada sind insofern gleich, als dass Maronen eine zentrale Rolle einnehmen. Während Magosto jedoch seine Wurzeln im Erntedank hat, entstand La Castanyada aus dem Brauch, die ganze Nacht vor Allerheiligen die Glocken der Stadt in Gedenken an die Verstorbenen zu läuten. Weil Kastanien sehr nahrhaft sind, blieben viele Menschen in der Nacht des 31. Oktobers wach, rösteten Kastanien und belieferten die freiwilligen Aushilfsglöckner. Daraus ist im Laufe der Zeit ein eigenes Fest geworden. Dazu gehören neben Maronen insbesondere Panellets, Süßkartoffeln (Maniatos) und ein Moscatell Wein. Panellets sind kleine marzipanartige Gebäckkugeln aus Pinienkernen, Maniatos und Mandeln.

Ciara erzählt, dass man am 31. Oktober nur einen halben Tag Unterricht hatte. Danach gingen alle Kinder in den Wald und es wurden Kastanien gesammelt. Diese hat der Schulkoch dann mit einem extra Kastanienofen, der ein bisschen wie eine Feuertonne mit Einsatz aussieht, geröstet. Eine Lehrerin der Schule hat sich mit einem historischen Kostüm als Castanyera verkleidet und die Maronen an die Kinder verteilt. Die Castanyera ist die zur Figur gewordene, alte Kastanienverkäuferin; Eine leicht mysteriöse aber ansonsten gütige Oma. La Castanyada ähnelt Halloween in dem Aspekt, dass man auch Kürbisse „verziert“, um böse Geister von den Kastanien fernzuhalten. „Nichts ist für mich so typisch für den Herbst, wie der Geruch gerösteter Kastanien“, sagt Ines, „wenn ich Kastanien rieche, weiß ich es ist Herbst“. Meine Anmerkung, in Deutschland gäbe es ab Dezember geröstete Kastanien auf dem Weihnachtsmarkt, interessiert sie gar nicht. Nein, nein – Kastanien gehören zum November. Daran gibt es nichts zu rütteln. Welchen typischen Herbstgeruch haben wir eigentlich in Deutschland?

Über den Autor:

Ich heiße Niklas. Nach einigen anstrengenden Jahren in der Geisteswissenschaft, bin ich mit vielen anderen Menschen aus der ganzen Welt bei GoEuro gelandet. Hier arbeiten wir an einer Suchmaschine, die die Reiseplanung schneller und einfacher macht. Ich werde nächstes Jahr definitiv Panellets probieren! Besonderen Dank an Sara, Ines und Ciara dafür, dass sie mir die spanischen Herbstfestivitäten rund um die Kastanie näher gebracht haben.

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