Galicien – Der Geheimtipp für Individualreisende

 

Wer einen Spanien-Urlaub plant, muss nicht zwingend vom Massentourismus an den östlichen Küstenregionen erschlagen werden. Mehr Individualismus und kulturelle Nähe findet man im Nordwesten Spaniens. Unter den Spaniern selbst schon lange beliebt, bei ausländischen Urlaubern aber noch ein echter Geheimtipp, ist Galicien. Nach Osten hin an die spanischen Regionen Kastilien und Asturien angrenzend, liegt die Autonome Gemeinschaft Galicien mit ihren 29.574km2am äußersten Ende der iberischen Halbinsel und ist im Norden und Westen von Meer umgeben. Durch die südliche Angrenzung zu Portugal ist auch die Sprachähnlichkeit des Galicischen zum Portugiesischen bedingt. Knapp 50% der 2,8 Mio. Einwohnen Galiciens sprechen Galicisch. Nur 27% bezeichnen Spanisch als ihre Muttersprache. Der Rest spricht beides. Galicien gliedert sich in die vier Provinzen A Coruña (Nordwesten), Lugo (Nordosten), Ourense (Südosten) und Pontevedra (Südwesten). Der Verwaltungssitz Galiciens ist Santiago de Compostela, das gleichzeitig das Ziel des berühmten Jacobswegs ist und damit Ziel zahlreicher Pilger aus aller Welt. Der Name Galicien geht im Übrigen auf die keltischen Galläker zurück, das kelto-iberische Volk siedelte sich im 7. Jahrhundert v.Chr. dort an.

Landschaftliche Highlights und klimatische Abwechslung

Zugegeben, wer seinen Badeurlaub am klaren und ruhigen Meer verbringen möchte, kommt in Galicien eher nicht auf seine Kosten. Das Klima ist geprägt vom Atlantik, entsprechend rau und feucht, aber weitgehend mild. Die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen an der Küste bei gerade einmal 14°C. Nichtsdestotrotz gehen die heißen Sommermonate an Galicien nicht vorbei, wobei sie an der Atlantikküste durch die ständige Meerbrise deutlich erträglicher sind als im Rest Spaniens. Die Region wartet mit über 800km Steilküste und weiteren 300km Strand auf. Letztere laden zum Baden, Tauchen, Segeln und Surfen ein. Selbst im Sommer sind die Strände hier noch nicht überfüllt und daher besonders für Urlaubshungrige mit wenig Lust auf Massentourismus ein empfehlenswertes Reiseziel. Typisch für die Küstenregion sind die sogenannten Rías, Flussmündungen, die an Fjorde erinnern und in die das Meer vorgedrungen ist. Zudem zählt die Costa da Morte zu einer der höchsten Steilküsten Europas. Die Wälder Galiciens nehmen 30% der gesamten Waldfläche Spaniens ein. Gerade diese Wälder stellen die Bevölkerung in heißen Sommermonaten aber jedes Jahr aufs Neue vor eine Herausforderung: Im Vergleich zum Rest Spaniens wird die Region überdurchschnittlich oft von Waldbränden heimgesucht. Davon sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen. Auch Wanderer kommen in Galicien auf ihre Kosten: Das Gebirge, das Galicien vom Rest Spanien separiert, fesselt Wanderurlauber durch seine beeindruckende Landschaft. Für die Region charakteristisch sind Landwirtschaft und Fischfang. Die durch Spanien erwirtschafteten Meeresfrüchte kommen fast ausschließlich aus Galizien. Da die Region den industriellen Anschluss verpasste, emigrierten im 19. Jahrhundert Unzählige nach Lateinamerika. In Buenos Aires leben angeblich immer noch mehr Galicier als in den großen Städten der Region selbst.

Sehenswertes in Galicien

Neben der beeindruckenden Landschaft und abwechslungsreichen Vegetation kann Galicien auch mit weiteren Sehenswürdigkeiten überzeugen. Die Kathedrale von Santiago de Compostela zählt im katholisch geprägten Spanien zweifelsohne dazu. Für viele endet der Jakobsweg allerdings nicht dort, sondern am Cabo Fisterra, das sich aus dem lateinischen ableitet und „Ende der Welt“ bedeutet. Wo die Griechen das Ende vermuteten steht ein alter Leuchtturm, der Seefahrern den Weg weist. Zudem wurden die römische Stadtmauer von Lugo und der Herkulesturm von A Coruña zum Weltkulturerbe erklärt und bilden zwei sehenswerte Highlights der Region. Der Legende nach soll der Herkulesturm aus dem Felsen entstanden sein, auf dem Herkules nach einem Kampf über drei Tage und Nächte den Riesen Geryon bezwang. Zum Dank soll man ihm zu Ehren den Leuchtturm gebaut haben, der zudem der älteste Leuchtturm der Welt ist. Der galicischen Küste lagern zahlreiche kleine Inseln vor, die zum Teil schwimmend oder mit dem Ruderboot zu erreichen sind und zum klassischen Badeurlaub am Sandstrand für ein kleines bisschen Abenteuerflair sorgen können.

Kulinarische Attraktionen

Besonders Fans hochwertiger kulinarischer Köstlichkeiten kommen in Galicien auf ihre Kosten. Meeresfrüchte aller Art wie Krebse, Krabben, Muscheln, Kraken, Langusten und Fisch in allen Variationen, sowie regionale Weine bescheren Urlaubern reichlich Gaumenschmaus und delikate Abwechslung.

Urlaubern, die fernab vom Massentourismus einen entspannenden Urlaub verbringen möchten, ist Galicien wärmsten zu empfehlen. Trotz überwiegend einheimischer Touristen ist den Galiciern eine gute Portion Gastfreundlichkeit eigen, die einen Aufenthalt dieser vom ausländischen Tourismus weitgehend verschont gebliebenen Region zu einem umso angenehmeren Erlebnis macht. Von Steilküste über Sandstrände bis hin zu Bergketten mit immergrünen Kiefern- und Eukalyptuswäldern und kulinarischen Feinheiten hat Galicien wirklich alles zu bieten und beschert Touristen ein abwechslungsreiches Programm.

Ob man den Sommerurlaub an der Atlantikküste oder am Mittelmeer verbringen möchte, ist letztlich Geschmackssache. Für alle, denen das Mittelmeer eher zusagt, ist neben den klassischen Zielen wie Spanien und Italien aber auch ein Urlaub in Kroatien zu empfehlen. Gerade die Adria ist nicht ohne Grund beliebt. Türkis-blaues Meer, malerische Mittelmeer-Städte und zahlreiche Nationalparks sorgen für Abwechslung und stellen eine echte Alternative vor allem für all jene dar, denen überlaufene Touristenzentren nicht zusagen.

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